
Das spurlose Verschwinden einer Mutter
Am Morgen des 28. April 1998 winkte Arlene Fraser ihren beiden Kindern zum Abschied, als diese zur Schule aufbrachen. Es war das letzte Mal, dass die 33-Jährige lebend gesehen wurde. Die Mutter aus Elgin in der schottischen Grafschaft Moray verschwand spurlos aus ihrem Zuhause – und ihr Fall sollte zu einem der bemerkenswertesten Mordfälle Schottlands werden.
Das Besondere an diesem Fall: Arlene Frasers Leiche wurde nie gefunden. Dennoch gelang es der schottischen Justiz, ihren Ehemann Nat Fraser des Mordes zu überführen – eine juristische Seltenheit, die den Fall bis heute zu einem kontrovers diskutierten Beispiel macht.
Die Ermittlungen der Grampian Police
Die Grampian Police leitete umfangreiche Ermittlungen ein, um das Verschwinden der zweifachen Mutter aufzuklären. Drei Jahre lang wurde intensiv ermittelt, Zeugen wurden befragt, mögliche Tatorte durchsucht. Doch weder Arlenes Leiche noch entscheidende physische Beweise konnten gefunden werden.
Erst 2001, drei Jahre nach Arlenes Verschwinden, wurde ihr Ehemann Nat Fraser festgenommen. Die Ermittler hatten trotz fehlender Leiche genügend Indizien zusammengetragen, um den Fall vor Gericht zu bringen.
Eine Verurteilung ohne Leiche
Am 29. Januar 2003 wurde Nat Fraser des Mordes an seiner Ehefrau schuldig gesprochen. Das Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft mit einer Mindeststrafe von 25 Jahren – eine bemerkenswerte Entscheidung, da solche Verurteilungen ohne gefundene Leiche äußerst selten sind.
Der Fall nahm jedoch eine weitere Wendung: Nach einem Berufungsverfahren wurde Fraser zunächst 2011 freigelassen, nachdem seine Verurteilung aufgehoben worden war. Doch die Staatsanwaltschaft gab nicht auf. Bei einer erneuten Verhandlung im Jahr 2012 wurde Nat Fraser abermals für schuldig befunden – und sitzt seitdem wieder in Haft.
Der belastende Hintergrund
Ein entscheidender Aspekt, der die Ermittlungen beeinflusste: Zum Zeitpunkt von Arlenes Verschwinden befand sich Nat Fraser auf Kaution – wegen eines früheren Versuchs, seine Frau zu töten. Diese Anklage wurde später zu Körperverletzung herabgestuft, wofür er schließlich zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde.


