Markus Fehre schoss seine 28-jährige Ehefrau Petra am 11. August 1997 auf dem Inka-Pfad in Peru aus einer Entfernung von 20–30 Metern in den Kopf – um eine Lebensversicherung von 300.000 Deutsche Mark zu kassieren. Das ist das zentrale Ergebnis der deutschen Ermittlungen, das die ARD-Dokumentation „Mord auf dem Inka-Pfad" ab 23. März 2025 in der ARD-Mediathek rekonstruiert.
Die 3-teilige Serie basiert auf den kompletten Ermittlungsakten, Gerichtsprotokoollen und exklusiven Interviews mit der leitenden Ermittlerin Elke B., die das Verbrechen nach Jahren der peruanischen Fehlinvestigationen aufklärte. Regie führte Sucy Pretsch, die Dokumentation entstand in Zusammenarbeit mit Degeto Film.
Das Verbrechen: Hochzeitsreise endete tödlich
Petra Fehre aus Bochum war am 11. August 1997 mit ihrem Ehemann Markus auf einer geplanten Trekking-Tour entlang des legendären Inka-Pfads unterwegs – es war Teil ihrer Hochzeitsreise nach Peru. Das Paar befand sich in einer Gruppe von Wanderern, als es zu einem Moment kam, in dem Petra Fehre separat von anderen Trekkern war. Markus Fehre war Zeuge, als sein Ehefrau plötzlich von einer Kopfschussverletzung getroffen wurde.
Die Schusswunde deutete auf einen Schuss aus erhöhter Position hin – ein Detailian, das später zentral für die deutsche Anklage werden sollte. Petra Fehre wurde schnellstmöglich ins Krankenhaus von Cusco gebracht, starb dort aber wenig später an ihren Verletzungen. Die offizielle Todesursache: Schussverletzung am Kopf.
Peruanische Ermittlungen scheitern (1997–1999)
Die peruanische Polizei (Policía Nacional del Perú) verfolgte zunächst die Hypothese eines Raubmordes durch Banditen – eine These, die in der Region durchaus plausibel wirkte. Doch es gab keine Überfälle auf andere Trekker, keinen Raub und keine konkreten Verdächtigen. Die Ermittlungen stagniert.
Markus Fehre kehrte nach wenigen Wochen, im Oktober 1997, nach Deutschland zurück. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal forderte 1998 seine Auslieferung an Peru – doch die peruanische Justiz lehnte ab. Damit blieb der Fall zunächst ein Fall für die deutschen Behörden.
Deutsche Ermittlungen: Der Durchbruch
Die Staatsanwaltschaft Bonn übernahm den Fall und setzte Kriminalhauptkommissarin Elke B. als Leitermittlerin ein. Ihr Bauchgefühl war von Anfang an klar: Der Ehemann ist der Täter. Und sie hatte Recht – aber die Beweise waren komplex.
Die Ermittler analysierten mehrere entscheidende Faktoren:
Ballistik & Tathergang: Der Schuss kam aus einer Steilfeuer-Position – also von oben herab. Markus Fehre hielt während der Wanderung seinen Trekkingstock, der als Richtmittel für eine Schusswaffe hätte dienen können. Forensische Analysen deuteten darauf hin, dass die Schussposition mit seiner Körpergröße und -position kompatibel war.
Zeugenaussagen: Markus Fehre war der einzige Zeuge der Schießerei. Seine Aussagen zu den genauen Umständen widersprachen sich in mehreren Punkten und erschienen konstruiert. Andere Trekker hatten Schreie und Durcheinander gehört, konnten aber keine klare Sichtlinie zum Tatort haben.
Finanzielle Motive: Die Lebensversicherung Petra Fehres betrug 300.000 DM – eine erhebliche Summe für 1997. Markus Fehre war der Begünstigte. Recherchen in die Ehe zeigten zudem erhebliche Beziehungsprobleme: Das Paar hatte sich kurz vor der Hochzeit bereits getrennt, verständigte sich aber auf die gemeinsame Hochzeitsreise. Hochzeitsmorde zeigen oft solche paradoxen Konstellationen.
Der Prozess: Lebenslang für Markus Fehre
Das Landgericht Bonn (1. Strafprozesskammer) verhandelte den Fall vom 14. Januar bis 28. Februar 2002. Die Anklage lautete auf Mord gemäß § 211 Strafgesetzbuch.
Am 28. Februar 2002 verkündete das Gericht das Urteil: Lebenslange Freiheitsstrafe für Markus Fehre. Die Begründung war klar: „Der Angeklagte hat seine Ehefrau erschossen, um die Lebensversicherungssumme zu kassieren." Der Bundesgerichtshof lehnte die Revision in einem Beschluss vom 12. November 2002 ab (Az. 3 StR 231/02).
Markus Fehre sitzt heute noch im Gefängnis, ein Antrag auf Sicherungsverwahrung wurde 2020 abgelehnt. Internationale Mordfälle wie dieser zeigen oft, wie lange die Justiz für volle Aufklärung benötigt.
Die ARD-Dokumentation 2025
Knapp 28 Jahre nach der Tat haben die ARD und Regie-führende Sucy Pretsch die Gelegenheit genutzt, den Fall vollständig zu rekonstruieren. Die 3-teilige Serie geht chronologisch vor:
- Teil 1: Der Tathergang und die peruanischen Ermittlungen
- Teil 2: Die deutsche Ermittlung unter Leitung von Elke B.
- Teil 3: Der Prozess und das Urteil
Die Dokumentation nutzt Originalaufnahmen, Gerichtsprotokolle, Zeugenaussagen und erstmals auch Interviews mit der Ermittlerin selbst. Die ARD-Pressemitteilung vom 20. Februar 2025 betont: „Die Serie beleuchtet den internationalen Justizskandal und den Durchbruch der deutschen Ermittlungen."
Besonders interessant ist die Fokussierung auf die Ermittlerin: Wie hat Elke B. gegen Widerstände ankämpft? Wie viel Erfahrung und Intuition spielten eine Rolle? Diese humane Dimension macht die Serie mehr als nur eine bloße Fallrekonstruktion – sie ist auch ein Portrait von Behörden, die über Grenzen hinweg zusammenarbeiten müssen.
Warum diese Serie jetzt?
Der Fall Petra Fehre ist ein klassischer True-Crime-Fall mit allen Merkmalen, die das Genre faszinierend machen: internationales Verbrechen, Täter im sozialen Nahfeld (Ehemann), finanzielle Motive, eine langwierige Ermittlung und schließlich Gerechtigkeit. Mit der zeitlichen Distanz von 28 Jahren ist es möglich, den Fall mit Ruhe und Vollständigkeit zu betrachten – ohne dabei Opfer oder Familie zu gefährden.
Die Ausstrahlung 2025 fällt auch in eine Zeit, in der Deutsche True-Crime-Serien international an Bedeutung gewinnen. ARD-Produktionen wie diese zeigen hohe Qualitätsstandards und Respekt vor den Fällen.
Fazit: Ein Fall, der Grenzen überwindet
Der Mord an Petra Fehre ist nicht nur ein True-Crime-Fall – er ist auch ein Lehrstück über internationale Justiz, über die Grenzen peruanischer und deutscher Ermittlungsmethoden, und darüber, wie Durchhaltevermögen und Intuition manchmal wichtiger sind als schnelle Lösungen.
Markus Fehre sitzt heute noch im Gefängnis. Petra Fehre wird in der ARD-Serie zu Wort kommen – durch Fotos, Videos und die Erinnerungen derer, die sie kannten.