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Der Fall Peter Lundin — Dreifachmord, der Dänemark veränderte

Wie der Mord an seiner Familie die dänische Kriminalpsychologie prägte

By
Susanne Sperling
Published
May 6, 2026 at 10:00 PM

Quick Facts

TäterPeter Lundin, 19 Jahre alt
OpferMarianne (Mutter), Mathias und Alexander (Halbbrüder)
TatortWohngebiet in Odense, Dänemark
Datum6. Januar 2000
DiagnoseAntisoziale Persönlichkeitsstörung

Am 6. Januar 2000 tötet der 19-jährige Peter Lundin in einer Wohnung in Odense seine Mutter Marianne sowie seine beiden Halbbrüder Mathias und Alexander. Die Leichen vergräbt er unter den Terrassenplatten im Garten des Hauses. In den folgenden Monaten lebt Lundin weiter, als wäre nichts geschehen — er reist nach Schweden, begeht dort weitere Straftaten und wird erst entdeckt, als die Polizei bei einer Festnahme die Verbindung zu den verschwundenen Familienangehörigen in Dänemark herstellt.

Wer war Peter Lundin?

Peter Lundin gilt als der am intensivsten untersuchte Psychopathie-Fall der dänischen Kriminologie. Bei ihm wurde eine antisoziale Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Seine Kindheit verbrachte er im Wechsel zwischen den USA und Dänemark, wobei er bereits früh eine kriminelle Laufbahn einschlug. Sein Fall ist heute ein Standardbeispiel in der Psychologie- und Kriminologie-Ausbildung an dänischen Universitäten. Die Wissenschaftsjournalistin Lone Frank veröffentlichte 2010 das Buch "Psykopaten" (Der Psychopath), das auf ausführlichen Interviews mit Lundin basiert und das bislang tiefgehendste Porträt des Täters liefert.

Die forensische Analyse seines Falls hat maßgeblich dazu beigetragen, das Verständnis von Antisoziale Persönlichkeitsstörung im dänischen Rechtssystem zu vertiefen.

Vollsmose und der Tatort

Der Mord ereignete sich in einem Wohngebiet in oder nahe dem Stadtteil Vollsmose im Osten von Odense. Der genaue Tatort ist eine Privatadresse und sollte keinesfalls aufgesucht werden. Vollsmose selbst ist ein ganz normaler Odenser Stadtteil mit allerdings komplexem Ruf — das Viertel ist jedoch nicht identisch mit dem Tatort und sollte nicht als Touristen-Destination für True-Crime-Interessierte behandelt werden. Respekt gegenüber den dort lebenden Menschen ist selbstverständlich.

Odense als Schauplatz dänischer Kriminalgeschichte

Odense ist in vielerlei Hinsicht ein Zentrum der dänischen Kriminalgeschichte — nicht weil die Kriminalitätsrate besonders hoch wäre, sondern weil die Stadt Schauplatz mehrerer Fälle war, die die dänische Rechtspraxis nachhaltig geprägt haben. Die Heimatstadt von Hans Christian Andersen beherbergt ein lebendiges "Kriminalitätsmuseum" in Form von Gerichtsakten, die über das dänische Reichsarchiv (Rigsarkivet) zugänglich sind. Das Stadtmuseum Odense (Odense Bymuseum) behandelt die Sozialgeschichte der Stadt und liefert wichtigen Kontext zu allen historischen Kriminalfällen.

Das Rechtssystem und die Psychopathie-Debatte

Der Fall Lundin löste die wichtigste Reformdiskussion in der dänischen forensischen Psychiatrie der jüngeren Vergangenheit aus. Im Jahr 2006 wurde Lundin aus dem regulären Gefängnis in die forensisch-psychiatrische Behandlung verlegt — eine Entscheidung, die eine jahrelange parlamentarische Debatte auslöste. Im Kern stand die Frage: Wann gehören Psychopathen ins Gefängnis und wann in eine Behandlungseinrichtung?

Diese Debatte ist bis heute nicht abgeschlossen. Sie berührt grundsätzliche Fragen der Schuldfähigkeit, der Behandelbarkeit von Persönlichkeitsstörungen und des Schutzes der Gesellschaft. Der Fall Lundin wird regelmäßig herangezogen, wenn über die Grenzen zwischen Strafe und Therapie diskutiert wird.

Peter Lundin befindet sich heute in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung. Sein Fall bleibt ein Lehrstück über die Schnittstelle zwischen Psychiatrie, Kriminologie und Rechtssystem — und über die Frage, wie eine Gesellschaft mit ihren gefährlichsten Mitgliedern umgehen sollte.

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